Echt Glück hatten wir in unserem diesjährigen Italien-Urlaub. Wir hatten kein spezielles Hotel gebucht, sondern sind mit dem Auto einfach von Ort zu Ort gefahren und blieben einfach da, wo es uns gefallen hat. Es war eigentlich auch nicht schwer, an den verschiedenen Orten auch eine Übernachtung zu finden, wenn man keine besonderen Ansprüche stellt. Uns kam es mehr darauf an, Land und Leute kennenzulernen, und so hatten wir gerade in kleinen Privatunterkünften die Gelegenheit auch ein wenig Familienleben mitzubekommen.
Einmal hatten wir ein Quartier über einer Pizzeria gefunden, nachdem wir dem freundlichen Gastwirt mitteilten, dass wir unbedingt eine oder zwei Nächte in diesem schönen Ort bleiben möchten. Er hat uns spontan sein kleines Gästezimmer angeboten, in das wir uns sofort verliebten, weil wir vom Fenster aus das bunte Treiben auf dem Marktplatz genießen konnten. Gut, die Betten waren nur mit einfachen Daunendecken ausgestattet (von Zuhause sind wir teure Microfaser-Decken gewohnt), aber zum schlafen reichte es. Der Preis war schnell ausgehandelt und wir bekamen als Bonus Pizza zum halben Preis. Am Abend saßen wir vor dem Schlafengehen noch an unserem Fenster und beobachteten, wie das nächtliche Treiben auf dem Markt langsam zur Ruhe kam.
Am nächsten Morgen traf sich -wie für uns bestellt- vor der Kirche gegenüber eine Hochzeitsgesellschaft. In die Kirche durften wir leider nicht mit hinein, da der Zutritt nur mit Hochzeitseinladung gestattet war. Als das Paar aber später wieder aus der Kirche trat, konnten wir von unseren guten Logenplätze aus die weitere Zeremonie vor der Kirche beobachten und auch gleich mit unserer Videokamera filmen. Als sich das Brautpaar die silbernen Trauringe ansteckte, haben ein paar junge Männer aus der Hochzeitsgesellschaft doch tatsächlich ein paar Schüsse in die Luft abgegeben, was mir einen solchen Schrecken einjagte, dass mir die Kamera aus den Händen fiel.
Immer noch starr vor Schreck sah ich wie in Zeitlupe, wie die Kamera auf die kleine Markise unter unserem Fenster fiel und von dort noch eine Etage tiefer auf die Markise der Pizzeria. Noch zwei kleine Hüpfer und dann blieb sie am Rande der Markise liegen. Zum Glück hatte Alfredo die Markise schon weit geöffnet, sonst wäre die Kamera auf dem Pflaster des Marktes in tausend Stücke gegangen. So war die Kamera heil geblieben und unsere schönen Aufnahmen einer italienischen Hochzeit ebenfalls. Sogar der Schuss ist darauf zu hören. Alfredo erzählte uns gleich darauf noch eine Geschichte, wie seine Markisen auch schon sein Leben gerettet hätten, als er bei der Reparatur seines Daches runterfiel. Naja, vielleicht hat er auch nur zu viele Action-Filme à la Jackie Chan oder James Bond gesehen.